Geschichte der Wassermühle

Der Ort Hanshagen (Johanneshagen) fand im Jahre 1248 erstmals urkundliche Erwähnung. Eine Hälfte des Ortes wurde 1492, die andere im Jahre 1522 aus Privatbesitz an das Kloster Krummin auf Usedom verkauft.

1524 erlaubte Margareta Owstin, Priorin zu Krummin, dem Müller Klaus Dreger, in ihrem Dorf Hanshagen eine Wassermühle zu bauen. Müller Dreger erhielt vom Kloster Krummin Baumaterial und Verpflegung für die Bauleute. Die Mühlenpacht betrug jährlich 5 Drömt Mehl (1 Drömt = 12 Scheffel, 1 Scheffel etwa 50 kg). Nach dem Tod von Klaus Dreger wurde der Vertrag 1528 mit seinem Sohn Joachim erneuert.

Als Folge der Reformation im Jahre 1534 ging aller klösterlicher Besitz auf dem Lande, auch das Dorf Hanshagen, in das Eigentum des Pommernherzogs über. Im Jahre 1634 schenkte Herzog Bogislaw XIV.der Universität Greifswald die Besitzungen des ehemaligen Klosters Eldena und auch den Ort Hanshagen.

Die Hanshäger Wassermühle wurde 1654 ebenfalls Eigentum der Universität. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch eine Kornmühle und befand sich in Besitz des Sekretärs und späteren Hofrats Schwedisch-Pommerns, Jacob Stypmann. Aufgrund einer Resolution der schwedischen Königin Christina – Vorpommern war von 1648 bis 1815 schwedische Provinz – musste Stypmann die Wassermühle gegen eine Abfindung an die Universität Greifswald abtreten.

Im Jahre 1750 erhielt der Kemnitzerhäger Papiermachermeister Georg Budach von der Universität Greifswald einen Pachtvertrag und die Aufgabe , die verfallene Hanshäger Kornmühle als Papiermühle neu aufzubauen. Meister Budach errichtete das Gebäude nach einer Zeichnung von Andreas Mayer, dem Erbauer des Greifswalder Universitätsgebäudes. Es verfügte über zwei außenliegende Mühlräder.

1800 erweiterte Siegfried Lorenz Budach die Papiermühle durch das jetzige Mühlengebäude in Fachwerkbauweise. Die Maschinen zur Papierherstellung aus Lumpen wurden modernisiert und das Dach als dreigeschossiger Trockenboden für die Papierbögen genutzt. Das bisherige Mühlengebäude diente jetzt nur noch zu Wohnzwecken

Als Rohstoff zur Papierherstellung nutzte man bis ins 19. Jahrhundert ausschließlich Lumpen, die nach mehreren Edikten der Königlichen Regierung nur an die akademischen Papiermüller zu Hanshagen und Kemnitzerhagen abgegeben werden durften.
Etwa 100 Jahre lang lieferte die Hanshäger Wassermühle das Schreibpapier an den Rektor, die Professoren und Verwaltungsbeamten der Universität sowie Druckpapier an die Universitätsbuchdruckerei.
Die für die Papierbögen verwendeten Wasserzeichen mussten laut Vertrag mit der Universität den Greif als Wappentier und die Überschrift „ACADEMIA GRYPHISWALDENSIS“, abgekürzt „Acad. Gryph“ oder „ACAD. GWD“, zeigen.

Nach 1840 musste die Papierproduktion eingestellt werden. Aus Zellulose hergestelltes Papier machte die Papierherstellung aus Lumpen unwirtschaftlich. Deshalb wurde zwischen 1850 und 1855 der technische Teil der Mühle wieder zur Kornmühle umgebaut. Auch die idyllische Lage des Mühlengehöfts bot seinen Pächtern neue wirtschaftliche Perspektiven. So entstand 1875 im älteren Teil des Mühlenhauses eine Gaststätte, die zu einem beliebten Ausflugsziel der Greifswalder wurde. Der eingeschossige Saalbau aus Backsteinen wurde 1895 errichtet..

1918 verkaufte die Königliche Universität zu Greifswald das gesamte Mühlenanwesen samt Äckern und Wiesen an den damaligen Pächter Louis Strübing. Es blieb im Besitz seiner Erben bis zum Jahre 2010.

Während des Zweiten Weltkrieges erhielt der Keller des Mühlenwohnhauses eine Stahlbetondecke und diente der Hanshäger Bevölkerung als Luftschutzkeller.

Wahrscheinlich stellte die Wassermühle Mitte der 1950er Jahre den Mahlbetrieb ein. Sie wurde noch viele Jahre als Lager genutzt. In den Räumen im Wohnhaus und Saal betrieb die Konsum-Genossenschaft Greifswald-Land von 1979 bis 1991 eine Gaststätte und ein Tanzlokal.

Wassermühle, Wohnhaus und Saal standen schon zu DDR-Zeiten als technische Kulturdenkmale unter Denkmalschutz.

In den 1990er Jahren plante ein Verein den Ausbau der Mühle zu einem Schaumuseum; sie erhielt 1998 auch ein neues Wasserrad. Die Verwirklichung dieser Pläne scheiterte ebenso wie die Sanierungsbemühungen eines im Jahr 2000 neu gegründeten Mühlenvereins. Seit 2005 konnte die Mühle wegen Einsturzgefahr nicht mehr begangen werden und verfiel zusehends.

Nach dem Kauf der Mühlengebäude durch die Hanshäger Familie Schilling begann im November 2010 die Sanierung der Anlage, die am 28. Mai 2012, dem Deutschen Mühlentag, mit der Inbetriebnahme der rekonstruierten Wassermühle abgeschlossen wurde.

 

Auf unserer Literatur-Seite haben wir einige Quellen zum Thema Hanshagen und die Wassermühle für Sie zusammengetragen.