Die Hanshagener Wassermühle

  • Die Wassermühle

    Am östlichen Ortsrand von Hanshagen bei Greifswald liegt in einer Senke die Wassermühle. Sie wurde 1524 als Kornmühle erbaut und gilt als die einzige erhaltene deutsche Papiermühle nördlich von Berlin sowie als die letzte vorpommersche Wassermühle.

    Die denkmalgeschützte Wassermühle umfasst heute drei zu unterschiedlichen Zeiten entstandene Gebäudeteile: die Wassermühle, das Wohngebäude und den Saalanbau. Alle drei Gebäudeteile sind aneinander angebaut und miteinander verbunden.

    Das heutige Mühlenwohnhaus wurde 1750 auf den Grundmauern der verfallenen Kornmühle als Papiermühle errichtet. 1800 erfolgte die Erweiterung der Papiermühle durch den Bau des jetzigen Mühlengebäudes. Der Saalanbau kam Ende des 19. Jahrhunderts dazu. Mühlen- und Wohngebäude sind Fachwerkbauten mit Sockeln aus Feldsteinen. Südlich der Mühle befindet sich ein Teich, dessen Wasser über ein Wehr auf das im Keller der Mühle befindliche Wasserrad geleitet wird. Der Mühlbach fließt quer durch das Kellergeschoss.

    Nach 20 Jahren Leerstand – seit 1991 – waren insbesondere das Mühlengebäude und das Wohnhaus in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Durch die Kelleraußenwand drang großflächig Wasser in die Keller ein. Die Gebäude hatten sich im Mittelbereich stark abgesenkt, wodurch sämtliche Holzkonstruktionen im Keller und Erdgeschoss instabil geworden waren und Einsturzgefahr bestand.

    Im November 2010 begannen in allen drei Gebäuden Sanierungsarbeiten, die unter “Sanierung”  verfolgt werden können. Denkmalpflegerische Zielsetzung war es, so viel wie möglich von der alten Substanz zu erhalten. Gleichzeitig sollte aber die historische Anlage mit modernen Elementen in Bau, Technik und Design verbunden werden.

    Inzwischen ist die Sanierung des Gebäudekomplexes in Rekordzeit abgeschlossen worden. Allen beteiligten Baufirmen, von denen ein großer Teil aus unserer Region kommt, gilt ein großes Dankeschön für ihre engagierte Arbeit.
    Das Mühlengebäude als Kernstück der Anlage konnte originalgetreu wieder hergestellt werden, und die fast komplett erhalten gebliebene Mühlentechnik wurde instand gesetzt und ist wieder funktionstüchtig.
    Jetzt kann man die Wassermühle als technisches und kulturhistorisches Denkmal einer Kornmühle besichtigen.
    Das Wohnhaus beherbergt das Restaurant „Zur Wassermühle“ sowie sechs Hotelzimmer, und der Festsaal steht für Familienfeiern, Tagungen und kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

    Außerdem entstand auf dem Mühlengelände ein Neubau, in dem sich eine Wildannahme- und  Verarbeitungsstelle, eine traditionelle Holzofenbäckerei sowie ein Hofladen befinden.

     

    Besuchen Sie die Wassermühle Hanshagen – erleben Sie Geschichte, genießen Sie die herrliche Umgebung, essen, feiern und übernachten Sie – und auch Ihre Trauung kann hier stattfinden!

  • Geschichte

    Der Ort Hanshagen (Johanneshagen) fand im Jahre 1248 erstmals urkundliche Erwähnung. Eine Hälfte des Ortes wurde 1492, die andere im Jahre 1522 aus Privatbesitz an das Kloster Krummin auf Usedom verkauft. 1524 erlaubte Margareta Owstin, Priorin zu Krummin, dem Müller Klaus Dreger, in ihrem Dorf Hanshagen eine Wassermühle zu bauen. Müller Dreger erhielt vom Kloster Krummin Baumaterial und Verpflegung für die Bauleute. Die Mühlenpacht betrug jährlich 5 Drömt Mehl (1 Drömt = 12 Scheffel, 1 Scheffel etwa 50 kg). Nach dem Tod von Klaus Dreger wurde der Vertrag 1528 mit seinem Sohn Joachim erneuert. Als Folge der Reformation im Jahre 1534 ging aller klösterlicher Besitz auf dem Lande, auch das Dorf Hanshagen, in das Eigentum des Pommernherzogs über. Im Jahre 1634 schenkte Herzog Bogislaw XIV.der Universität Greifswald die Besitzungen des ehemaligen Klosters Eldena und auch den Ort Hanshagen. Die Hanshäger Wassermühle wurde 1654 ebenfalls Eigentum der Universität. Sie war zu diesem Zeitpunkt noch eine Kornmühle und befand sich in Besitz des Sekretärs und späteren Hofrats Schwedisch-Pommerns, Jacob Stypmann. Aufgrund einer Resolution der schwedischen Königin Christina – Vorpommern war von 1648 bis 1815 schwedische Provinz – musste Stypmann die Wassermühle gegen eine Abfindung an die Universität Greifswald abtreten. Im Jahre 1750 erhielt der Kemnitzerhäger Papiermachermeister Georg Budach von der Universität Greifswald einen Pachtvertrag und die Aufgabe , die verfallene Hanshäger Kornmühle als Papiermühle neu aufzubauen. Meister Budach errichtete das Gebäude nach einer Zeichnung von Andreas Mayer, dem Erbauer des Greifswalder Universitätsgebäudes. Es verfügte über zwei außenliegende Mühlräder. 1800 erweiterte Siegfried Lorenz Budach die Papiermühle durch das jetzige Mühlengebäude in Fachwerkbauweise. Die Maschinen zur Papierherstellung aus Lumpen wurden modernisiert und das Dach als dreigeschossiger Trockenboden für die Papierbögen genutzt. Das bisherige Mühlengebäude diente jetzt nur noch zu Wohnzwecken Als Rohstoff zur Papierherstellung nutzte man bis ins 19. Jahrhundert ausschließlich Lumpen, die nach mehreren Edikten der Königlichen Regierung nur an die akademischen Papiermüller zu Hanshagen und Kemnitzerhagen abgegeben werden durften. Etwa 100 Jahre lang lieferte die Hanshäger Wassermühle das Schreibpapier an den Rektor, die Professoren und Verwaltungsbeamten der Universität sowie Druckpapier an die Universitätsbuchdruckerei. Die für die Papierbögen verwendeten Wasserzeichen mussten laut Vertrag mit der Universität den Greif als Wappentier und die Überschrift „ACADEMIA GRYPHISWALDENSIS“, abgekürzt „Acad. Gryph“ oder „ACAD. GWD“, zeigen. Nach 1840 musste die Papierproduktion eingestellt werden. Aus Zellulose hergestelltes Papier machte die Papierherstellung aus Lumpen unwirtschaftlich. Deshalb wurde zwischen 1850 und 1855 der technische Teil der Mühle wieder zur Kornmühle umgebaut. Auch die idyllische Lage des Mühlengehöfts bot seinen Pächtern neue wirtschaftliche Perspektiven. So entstand 1875 im älteren Teil des Mühlenhauses eine Gaststätte, die zu einem beliebten Ausflugsziel der Greifswalder wurde. Der eingeschossige Saalbau aus Backsteinen wurde 1895 errichtet. 1918 verkaufte die Königliche Universität zu Greifswald das gesamte Mühlenanwesen samt Äckern und Wiesen an den damaligen Pächter Louis Strübing. Es blieb im Besitz seiner Erben bis zum Jahre 2010. Während des Zweiten Weltkrieges erhielt der Keller des Mühlenwohnhauses eine Stahlbetondecke und diente der Hanshäger Bevölkerung als Luftschutzkeller. Wahrscheinlich stellte die Wassermühle Mitte der 1950er Jahre den Mahlbetrieb ein. Sie wurde noch viele Jahre als Lager genutzt. In den Räumen im Wohnhaus und Saal betrieb die Konsum-Genossenschaft Greifswald-Land von 1979 bis 1991 eine Gaststätte und ein Tanzlokal. Wassermühle, Wohnhaus und Saal standen schon zu DDR-Zeiten als technische Kulturdenkmale unter Denkmalschutz. In den 1990er Jahren plante ein Verein den Ausbau der Mühle zu einem Schaumuseum; sie erhielt 1998 auch ein neues Wasserrad. Die Verwirklichung dieser Pläne scheiterte ebenso wie die Sanierungsbemühungen eines im Jahr 2000 neu gegründeten Mühlenvereins. Seit 2005 konnte die Mühle wegen Einsturzgefahr nicht mehr begangen werden und verfiel zusehends. Nach dem Kauf der Mühlengebäude durch die Hanshäger Familie Schilling begann im November 2010 die Sanierung der Anlage, die am 28. Mai 2012, dem Deutschen Mühlentag, mit der Inbetriebnahme der rekonstruierten Wassermühle abgeschlossen wurde.

    Das Video zeigt Impressionen von der Wassermühle vor und nach der Sanierung.

    Auf unserer Literatur-Seite haben wir einige Quellen zum Thema Hanshagen und die Wassermühle für Sie zusammengetragen.

  • Kornmühle

    Während sich die Bausubstanz der Wassermühle im Jahre 2010 in einer äußerst kritischen Situation befand und von der Technik der Papiermühle fast  nichts mehr vorhanden ist, waren von der mehr als 150 Jahre alten Mühlentechnik der Kornmühle etwa 50 % in nutzbarem Zustand erhalten. Ersetzt werden musste u. a. das Mühlenrad und fast alle Verschleißteile. Die Mühlentechnik ist jetzt wieder voll funktionsfähig und zeigt, dass die Mühlenbauer vergangener Jahrhunderte in solider handwerklichen Arbeit – ohne Computer – kleine technische Wunderwerke geschaffen haben. Wir sehen, wie der Mensch schon vor langer Zeit in der Lage war, die Wasserkraft zu nutzen und nicht nur Korn zu mahlen, sondern auch andere Maschinen wie Schrotmühle, Aufzüge und Sägen zu betreiben.

    • Wehr
    • Mühle
    • Siel
    • Zufluss zum Wasserrad
    • Wasserrad
    • Wasserrad
    • Königswelle
    • Endprodukt
    Führungen durch die Wassermühle Hanshagen bieten wir von April bis Oktober jeden ersten Mittwoch im Monat von 16 – 18 Uhr und jeden dritten Sonnabend im Monat von 14 – 16 Uhr sowie nach Anmeldung (unter der Telefonnummer 038352 658888 oder per E-Mail  info@wassermuehle-hanshagen.de) an.

  • Sanierung

    Die Sanierungsarbeiten im Zeitraum 2010 bis 2012 können auf der Seite “Sanierung”  nachverfolgt werden.